Welche neue Perspektive bekomme ich beim Üben?

Was gewinne ich, wenn ich übe? Routine? Automatisierung? Vielleicht Musik?

Ich könnte doch mein Üben so gestalten, dass ich besser werde, bestimmte Stücke zu spielen und dabei gleichzeitig mein eigenes musikalisches Verständnis erweitern. Ich könnte es als Zeit nehmen, in der ich etwas Neues entdecken will.

Wenn ich mir vornehme etwas zu erfinden, eine Übung oder eine Idee wie ich mir die Stelle noch schneller oder noch intensiver einprägen kann, damit es „meine Stelle“ wird, wenn ich danach suche etwas zu entdecken, was mir vorher noch nicht klar war, dann gewinne ich zur Routine auch noch eine neue Perspektive. Ich begreife mehr von dem Stück und wie es aufgebaut ist. Ich vertiefe mein musikalisches Verständnis.

Wenn ich mit der Einstellung rangehe, dass ich Pionierarbeit mache, dass ich nach etwas suche, was ich eben noch nicht weiß, dann wird mein Üben nichts Abgespultes, sondern bleibt immer neu und spannend.

Ein Beispiel: Ich habe eine schwierige Stelle am Klavier. Ein Takt, in dem moduliert wird und es viele Versetzungseichen gibt.
Mein Blattlesen ist nicht schnell genug, um das zu erfassen und so stocke ich in diesem Takt immer. Ich kann es jetzt entweder Mal für Mal immer mehr auswendig lernen. Was bei mir dann passiert ist, dass ich mir die Fingerstellung der Bewegung merke. Oder ich belasse es nicht dabei und suche mir jedes Mal andere Übungen, wie ich die Stelle noch sehen kann. Ich male vielleicht alle Noten farbig an, die ein Versetzungszeichen haben. Ein anderes Mal analysiere ich die Harmonien und schreibe sie dazu. Und beim dritten Mal üben komponiere ich die Stelle um, indem ich die Töne weglasse, die mir Schwierigkeiten bereiten und nur die spiele, die leicht zu erfassen sind. Vielleicht markiere ich mir die „leichten“ Töne oder schreibe sie zur Übung auf ein Notenblatt und später nehme ich mir alle anderen Töne wieder dazu. Und wenn ich diese Ideen alle ausprobiert habe und die Stelle immer noch schwierig ist, dann gibt es noch tausend andere Ideen, die ich mir einfallen lassen kann. Auch wenn ich sie gerade nicht weiß, kann ich immer danach suchen und mich überraschen lassen, was mir noch für Ideen kommen.

So wird mein Üben an sich ein kreativer Prozess und die Gefahr, dass es gleichzeitig ein dumpfes Abarbeiten wird ist viel geringer. Üben macht mich satt, weil meine Ideen darin Platz haben und mir jedesmal eine neue Perspektive auf die Musik geben, die ich spielen möchte.

 

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  1 comment for “Welche neue Perspektive bekomme ich beim Üben?

  1. silke
    8. Juli 2014 at 12:26

    Schöner Text. Macht Lust aufs Loslegen … :-)
    Danke!
    *S

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