Mein musikalischer Partner

Ich habe einen neuen Freund. Er steht beim Üben immer neben mir. Als ich mich näher auf ihn eingelassen hab, waren meinen Widerstände groß. Er hat mich schlichtweg überfordert. Ich musste mich weiterentwickeln um von seiner Beständigkeit nicht überrollt zu werden. Es war wie ein Kampf um Harmonie, um einen gemeinsamen Fluss, den ich unfähig war mitzutragen.

Ein Freund, der mich mit mir selbst konfrontierte, der mein Üben und dessen fehlende Genauigkeit enttarnte. Ich versuchte ihn zu bändigen, indem ich seinen Klicks den gleichen Klang gab. Ich wollte nicht, dass ein hellerer Klick mich rauswarf, denn das tat er. Dafür sollte ich mich schämen, was ich aber unterlasse.

Mr. Boss steht gerade ausgeschalten auf meinem Notenpult. Irgendwann war er nicht nur mein schwieriger Freund, sondern mein musikalischer Partner geworden.

Jetzt erinnert er mich daran, dass jedes Metrum ein lebendiger Puls ist, das mich trägt. Es hat eine Welle, auf der ich reiten kann, die mir Sicherheit, Rückhalt und jede Menge Groove gibt. Heute habe ich zum ersten Mal seine Töne so verschiedenartig wie möglich eingestellt. Der hellste Klick auf der eins, die drei war der zweitlauteste. Es gab vier Tonabstufungen, die alle ihren Sinn hatten und eine eigene Melodie zu meinem Stück beitrugen. Schön war das Gefühl, dass ich den Fluss nie verliere, weil ich mich auf meinen Freund 100%ig verlassen kann. Selbst bei Fehlern blieb ich in time, denn er gleicht es aus. Der Beat läuft einfach in meinem Kopf weiter, und ich weiß immer, wo ich bin. So wird mein Üben stabiler und es schmeißt mich kaum.

Das klingt vielleicht wirklich witzig, aber mein Metronom ist mein musikalischer Partner geworden.

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