1 Music machine

Am Ende meines Studiums hatte ich ein Vorsingen. Innerhalb von Minuten wurde ich für meine Bemühungen der letzten Jahre bewertet. Und? Durchgefallen. Ganz nett, aber naserümpf.

Was wollen die? Eine perfekte Technik oder noch mehr? Ich konnte es nicht greifen. Irgendwas aalglattes. Wie in der Schule bisschen. Passt du nicht ins Raster, kriegst du nicht die Bestnoten und bleibst guter Durchschnitt.
Ich hatte zwei Möglichkeiten. Guter Durchschnitt bleiben oder mich auf die Suche nach deren Erwartungshaltungen machen. Ich hab mich für die Jagd nach dem Unbekannten entschieden, denn sich mit Durchschnitt zufrieden zu geben kratzt so am eigenen Selbstwert. Dabei hatte ich den Satz im Kopf: „Nagut, dann werde ich eben eine singing machine.“

Das klingt jetzt alles so banal, aber wenn man mal genauer hinsieht, ist es schrecklich. Menschen werden dazu erzogen Maschinen zu werden. Perfektion möglichst ohne zu viel Menschlichkeit. Und wenn ich noch genauer hinsehe, habe ich dieses Spiel allzu gern mitgespielt, um dazuzugehören. Dieses Überwinden der Menschlichkeit ist immer ein begleitender Faktor gewesen. Im Grunde wollte ich, dass mir jemand sagt, wie ich mein Lampenfieber losbekommen kann. Ich wollte mich soweit entwickeln, dass es mich nicht mehr tangiert. Witzig, denn ich hatte immer das Problem, dass meine Stimme aufgab, wenn ich zu große Angst hatte. Ich hab dann keinen Ton mehr halten können, sondern alles verkiekst. Wenn ich heute dran denke, ist es irgendwie süß, aber damals war es mein größter Horror. Da war keine kontinuierliche Weiterentwicklung Schritt für Schritt da rauszugehen. Es kam immer wieder. Kieks, kieks. Und ich wollte es nicht haben, wollte es überwinden und damit meine Menschlichkeit. Niedlich irgendwie.

Üben war in dem Kontext dann die Zeit, in der ich etwas erreichen musste, was den vorhandenen Erwartungshaltungen entsprach. Töne können, Melodie und Rhythmus beherrschen, technisch unangreifbar werden. Hab ich in meinen Übesessions musiziert? Nein. Also garnicht. Ich war kaum mitgerissen von der Musik oder euphorisch morgen wieder üben zu können. Nichts dergleichen. War es dann Üben?

Von meinem heutigen Standpunkt aus nicht. Denn einen maschinellen Ablauf zu erlernen, etwas zu „automatisieren“…tolles Wort in dem Kontext….hat viel mehr mit Entmenschlichung zu tun, als damit sich mit Musik auseinanderzusetzen.

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