10 Musik!

Chorstunde für Chorstunde musste ein neues Lied her und die Geschichte so weitergesponnen werden, dass es Sinn ergab. Gott sei Dank hatte ich Hilfe, denn meine Schwägerin Katharina brannte, wie ich für die Musik, dafür die Geschichte vom Schlappohrhasen Sammy zu schreiben.
Mein zweites Lied „Bleib dran“ machte eine Tür auf. Das war richtig guter Stoff und ich baute Selbstwert auf. Hey, ich kann ja was. Irgendwann mittendrin – es waren Osterferien, glaube ich – musste ich den Rest des Werkes fertig stellen. Das waren die besten Ferien, die ich je hatte. Meine Motivation weckte mich täglich um 6 Uhr, damit ich noch etwas schaffte, bevor die Kinder aufwachen. Stundenlang saß ich am Rechner und komponierte. Es war wie reines klares Quellwasser, das die ganze Zeit durch mich durchströmte. So viel Energie hatte ich noch nie. Und gleichzeitig empfand ich Ehrfurcht und Dankbarkeit für dieses Geschenk.
Das war vor einem halben Jahr. Niemals danach oder davor hatte ich eine so intensive Zeit mit Musik. Aber es ist wie bei meinem Unterricht. Ich nehme es als Anker. Jetzt weiß ich, dass so etwas möglich ist und werde weiter daran arbeiten, dass es wieder passieren kann. Und im Kleinen tut es das heute jeden Tag. Ein kleines Stück Vision spüre ich immer in mir. Es ist wie eine schlichte Flamme, die nicht mehr ausgehen mag. Ich versuche sie zu pflegen, wo ich kann. Auch jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist die Flamme ein Teil von mir. Es freut mich endlich meine Geschichte zu erzählen. Und sie ist nun auch in allen anderen Dingen, die ich tue, mal lauter und mal leiser.
Meine Promotion hat inzwischen sehr konkrete Form angenommen. Neben meinem Thema, das ich nach dem dritten völlig neuen Arbeitstitel und der zweiten Doktormutter gefunden hatte, habe ich inzwischen ein Stipendium und einen Lehrauftrag an der Hochschule Nürnberg. Diese Woche war mein erster Unterricht dort und es hat mehr als gut geklappt, wie ich fand, obwohl ich so nervös war. Und auch hier ist sie: diese Flamme, die mich trägt. Wenn ich mich mit den Studenten unterhalte, dann weiß ich, dass es richtig war diesen Weg zu gehen und ihn jetzt mit anderen zu teilen. Ich weiß, dass es mein Ding ist, und dass ich dafür auf der Welt bin.
Das Üben selbst ist für mich zur Kraftquelle geworden. Ich übe nur Klavier und lasse meine Stimme links liegen. Da warte ich noch, bis sie wieder so zu mir zurückkommt, dass es Sinn macht auch wieder Gesang zu üben. Aber singen fehlt mir nicht. Etwas tief in mir drin wird jeden Tag so sehr satt, denn ich darf das tun, was aus mir heraus will: Ich mache den ganzen Tag Musik.
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