Wenn die Energie hingeht

Bei meinen kläglichen Versuchen einen neuen Zugang zur Musik zu gewinnen, spüre ich vor allem Widerstand und Verzweiflung. Alles Alte trägt nicht mehr und das Neue auch noch nicht. Noch dazu bewege ich mich im gefühlten Schneckentempo auf neue Ufer zu, sodass auch demnächst keine Aussicht auf Besserung besteht. Ich bleibe also tapfer im Aushalten, dass mich mein Leben gerade in der Tiefe langweilt.

Einen kleinen Erfolg kann ich aber erzählen, auch wenn er mich am Ende noch mehr mit meiner Verzweiflung konfrontiert hat.

Ich habe ja meine Mini-Story Map gemacht mit möglichen Move Ideen, die ich aber alle nicht so inspirierend fand. Ganz unerwartet entstanden dann weitere Move-Ideen, die gar nicht so blöde waren. Ich habe sie einfach gesammelt und dazu gehängt, mit der festen Überzeugung, sie noch eine Weile vor mir herzuschieben, bevor ich sie trainiere, denn der Widerstand, den ich für dieses Training empfinde, ist riesig. Trotzdem ging zu einem Move immer die Energie hin. Ich dachte oft an ihn, ich fand ihn cool, er interessierte mich.

Ich wollte mein altes Diktiergerät wieder aktivieren und aufräumen um Platz zu schaffen Klänge, Phrasen und Musik aufzunehmen, die mir gerade gefällt, wenn ich sie irgendwo höre.

Nach drei Tagen habe ich den Move dann trotzdem trainiert, weil ich sowieso in alten Kompositionsideen was nachschauen wollte. Normaler Weise bekomme ich dabei immer viel Energie. Mich mit alten Ideen auseinanderzusetzen erzeugt in mir Freude und die Sehnsucht all das fertig zu komponieren. Dieses Mal nicht. Ich fand alles schlecht, grottig, langweilig, überholt. Das war witzig und ist mir noch nie passiert. Jetzt stehe ich aber vor einer noch größeren Herausforderung, denn wie soll ich jetzt wieder etwas finden, was ich komponieren will? Der Weg ist gefühlt unendlich lang. Und irgendwie ist es auch witzig zu spüren, dass ich nicht einmal mehr weiß, wer ich bin, wenn ich nicht weiß, was ich komponieren möchte. Dass das so eng zusammenhängt, ist mir neu. Mein einziger Trost war eine sehr gute Kindermusikplatte von Willy Astor. Sie schenkte mir Halt, weil die Musik einfach nur cool ist und die Texte brilliant sind. Jetzt lerne ich die Texte mancher Lieder auswendig und versuche so viel wie möglich davon in mein sehr wackeliges Ich-Gefühl zu integrieren. Der Weisheit letzter Schluss ist es nicht, und die Fragezeichen sind größer als die Antworten, aber ich versuche es weiterhin mit jeder Menge Tapferkeit und dem Bewusstsein, dass ich jaja…schon klar…hier nur von Luxusproblemen spreche. Deswegen sind sie aber genauso echt und fühlbar! *stampf*

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  2 comments for “Wenn die Energie hingeht

  1. Mark
    11. Februar 2018 at 16:46

    Witzig.
    Die genauere Beschreibung der Moves finde ich interessant.

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  2. Anne
    16. Februar 2018 at 17:10

    Jaaa, Willy Astor. Meinst du Hängereh & co.?
    Die Figuren sind so klasse 😀

    Das verrückte und spannende ist, finde ich, wie lange sich so ein Aushalten hinziehen kann. Und irgendwann geht es doch nicht mehr und vielleicht platzt man dann und es kommt etwas ganz Neues dabei raus mit dem man nicht gerechnet hat.

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